ADHS = wer hat Lust auf deutsch zu schreiben?


#1

Hi an Alle,

dieses Forum ist wirklich toll. Und man bekommt super Unterstützung und Ideen auch auf englisch.
Aber ich denke, das sich doch einiges in Deutschland, Österreich und der Schweiz von den Bedingungen in den USA und Canada usw. unterscheidet. Z.B habe ich als Erwachsene kaum Anprechpartner für ADHS. In Deutschland zumindest komme ich mir als Frau, die erst mit 46 diagnostiziert wurde, etwas fehl am Platz vor.

Hätte jemand Lust sich auch auf deutsch auszutauschen? Ich würde mich sehr freuen Kontakt mit anderen ADHS’lern zu bekommen und mit


#2

Ups. Falscher Knopf:grinning:
Also ich würde mich freuen mich mit Euch auszutauschen😀


#3

Hallo
Erst mal ein disclaimer : ich komme aus der Schweiz, hab alle schulen auf französisch absolviert. Ich werde wohl ein paar seltsame Wörter benützen, falls ihr was nicht versteht war das wohl ein schweizerdeutsches Wort das ich germanisiert hab :grin:

Das mit dem Erwachsenen AD(H)S hab ich auch so erlebt. “das gibt doch nur bei Kindern” und ähnlich Kommentare. Auch die meisten anlaufstellen sind nur für Kinder oder jugendliche. Ich hab auch mühe damit das es oft nicht als eine Störung angesehen wird sondern nur als etwas das Lehrer/Eltern stört und daher behandelt wird und das es für die betroffene Person gar nicht schädlich ist (ja sogar gut, da du da ja kreativer bist) :confounded:.
Selbst im professionellen Bereich, ausserhalb von den spezialisierten fachpersonen, hab ich das Gefühl das es nicht so ernst genomen wird.


#4

Hi Noldos ,

Schön von Dir zu lesen😀 Es gibt also doch nicht nur mich mit ADHS als Erwachsene.
Meine Hausärztin meinte, sie hätte noch nie davon gehört, dass Erwachsene ADHS haben können. Gott sei dank hat sie mir trotzdem eine Überweisung zum Neurologen gegeben.
Und gut ist ADHS ja nun wirklich nicht für einen. Sonst hätte ich mein Wunschstudium nicht abbrechen müssen und 3 Anläufe für einen Bachelor in BWL benötigt.
Kreativität kann man sich an den Hut stecken, wenn man sich nicht entscheiden kann welche der ganzen kreativen Ideen man jetzt machen will und die Chance dabei dann zu bleiben gering ist😀
Aber Du bringst es auf den Punkt. Bei uns gibt es noch Nachholbedarf. Wie offen gehst Du/ Ihr mit Deinem/ Euren ADHS um? Ich habe meine Diagnose jetzt 6 Monate und bin nicht sicher wie ich das am besten ausserhalb der Familie komnuniziere.


#5

Kreativität kann man sich an den Hut stecken, wenn man sich nicht entscheiden kann welche der ganzen kreativen Ideen man jetzt machen will

Du sagst es.

Ich hänge es nicht an die grosse Glocke aber ich versteckte es auch nicht. Falls relevant oder man mich fragt geh ich damit sehr offen um. Das heist auch das ich klar (aber freundlich) abwinke wenn mir eine Frage zu nahe kommt.
Meist heist das mal geduldig zu erklären was ADS ist und was es nicht ist. Dies kan manchmal einige Stunden in Anspruch nehmen.

Es hilft mir oft bei Kollegen, WG Kollegen und Familie das sie wissen das sie dir Sachen vielleicht 2-3 mahl sagen müssen und das das vom ads stammt und nicht weil es dir egal ist oder weil du faul bist. Bei den Kollegen bin ich ein wenig selektiv, nicht das sie anfangen mir zu sagen wie ich mich heilen kann, welche Nahrung für mich gut ist, usw. :angry:


#6

Hallöchen, Beppi. Es freut mich sehr, dass jemand hier auf Deutsch einige Erfahrungen über ADHS austauschen will. :upside_down_face:

Hier in den USA—bin übrigens eigentlich hier geboren und aufgewachsen und habe eine Art von pennsylvanischen Deutsch/Schwäbisch daheim gesprochen—wurde ich in letzter Zeit (vor ca. 6-8 Wochen, kann einfach jetzt mich nicht erinnern) erst mit 31 diagnostiziert. Ich schätze, die Bedienungen unterscheiden sich nicht so viel als du denkst, besonders wenn man als Kind am Land wohnt. Die Hausärzte sind hier oft auch der Meinung, die ADHS nur bei Kindern gibt. Sie wissen ja nicht, ADHS’ler können auch Erwachsene sein.

Schlimmer noch kennen die Meisten von Amis ADHS nicht oder kennen die Störung nur als eine Sache, dass mit Hyperaktivität und nichts anderes zu tun hat. Sie denken überhaupt nicht an Fehler beim Organisieren, Fehler beim Planen, Schwierigkeiten mit unserer Emotionskontrolle, Zeitblindheit, usw.


#7

Hallo zusammen. Habe nächste Woche den ersten Psychotherapeutentermin meines Lebens und bin total nervös deswegen. Bin 28 und bisher ganz gut durchs Leben gekommen mit Abi, Studium und Jobs.
Mein Hauptproblem ist, dass ich meine Gefühle nicht unter Kontrolle kriege und von Wut auf Verzweiflung wechseln kann innerhalb von Sekunden - auf der Arbeit rumheulen ist nichts Erstrebenswertes. Außerdem stört es mich, dass ich auf der Arbeit wechsle zwischen Tagen, an denen ich quasi nichts mache (wie heute) und Tagen, an denen ich das entsprechend aufhole und die Arbeit einer Woche in einen Tag presse, weil Deadlines anstehen. Da hätte ich gern mehr Struktur drin.
Zudem habe ich ein paar Probleme mit depressiven Phasen und den daraus folgenden Fressgelagen sowie der Unlust, irgendwas zu tun. Bin gespannt, wie das nächste Woche laufen wird…


#8

Moin @nessii,

Das flaue Gefühl vor dem ersten Termin hatte mich auch gepackt. Ich kann Dir das wirklich nachfühlen. Es gibt so viele komische Vorurteile vor der Psychotherapie. Mir hat es jedenfalls unendlich geholfen. Hast Du einen Termin für eine Testung?


#9

Hoi @Nessii

Ich kann dir nichts anderes sagen als dir keine Sorgen zu machen (ja, ja, ich weiss, nicht super hilfreich). Ich hab einige Psychotherapeuten und ein paar Psychiater getroffen, und keine/r war nicht offen und freundlich.
Aber ja, das erste mahl war ich so nervös das ich alle 10 Minuten auf die Toilette muste. :sweat:

Therapie hat mir massiv geholfen meine Emotionen ins gleochgewicht zu bringen. Ich hoffe die wird es auch so helfen.

Alles gute bei dem Gespräch.


#10

Hallo in die Runde!

Was ist egtl. mit dem 31. Lebensjahr? Ich auch. Und da ist mind. noch eine andere Person im Forum, worüber ich gestern gelesen habe.


#11

Hi allesamt!

Ja, Deustschland und ADHS… da gibt’s noch viel zu tun!

Ich bin ebenfalls erst vor einigen Monaten diagnostiziert worden (mit 48) und selber noch in dem Prozess, wo ich es nach und nach meinen engeren Freunden erzähle, aber irgendwie auch noch ein bisschen unsicher dabei bin - einige haben das eher für eine Spinnerei von mir gehalten, als ich noch im Diagnoseprozess war, von anderen gab es die wohl üblichen “hat nicht jeder ein bisschen ADHS”-Sprüche. Wieder andere reagieren, als hätte ich irgendwas Lebensbedrohendes diagnostiziert gekriegt.

Anfangs wollte ich damit so offen wie möglich umgehen - ich zeichne Webcomics und dachte, vielleicht kann ich damit ein wenig helfen -, aber inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher.

Zumindest mit der Therapeutin habe ich anscheinend Glück gehabt, wenn ich das hier so lese. Sie macht selber keine ADHS-Therapie, die Verhaltenstherapie muss ich mir schon selber suchen, aber zumindest hat sie auch keine Vorurteile dagegen und begleitet meine ersten Schritte sehr aufmerksam und positiv.


#12

Hi themax,

Genau wie Du wollte ich möglichst offen damit umgehen. Mir bleibt auch gar nichts anderes übrig😏 In einem Gespräch blubbert es eh aus mir raus.
Die Reaktionen sind wirklich sehr unterschiedlich. Am meisten ärgern mich die Leute die offensichtlich skeptisch sind und nichts sagen. Man sieht, dass sie sich ihren Teil denken, sie nicken dann aber nur und sagen nichts.
Meine Chefin habe ich offen eingeweiht, das klappt super. Meine Familie nervt ein wenig. Egal was ich jetzt sage. Auch wenn ich nur anekdotisch erzähle, was mal wieder passiert ist. Jedesmal heißt es, das ist doch normal das passiert jedem mal. Das ist doch nicht schlimm usw. Das nervt. Früher haben sie gelacht, wenn ich erzählt habe, dass ich meine Einkaufskiste beim Rückwärtsfahren ermordet habe, weil ich sie vergessen hatte. 5 Minuten versucht habe mein gelbes Auto zu öffnen, bis die irritierte Beditzerin erschien usw… jetzt heisst es immer, kann passieren das ist ja nicht gleich ADHS.:thinking:


#13

Hehe, kenne ich.

Wenn Du deiner Familie diese Anekdoten erzählst, tust Du es als ADHS-Anekdote oder einfach als “etwas Bescheuertes, das dir passiert ist”? Vielleicht haben andere Leute - die sich noch nicht so damit auseinandergesetzt haben - es auch einfach schwerer, von einem Einzelfall, der ja tatsächlich jedem passieren kann und auch dauernd passiert, auf ein Verhaltensmuster zu schließen.
Ich weiß noch, wie ich selber in Videos zum Thema die typischen Verhaltensweisen aufgezählt kriegte und alle naselang dachte: “Wie? Das auch? Ich dachte, das machen alle so!” Z. B. in ein Zimmer gehen und vergessen, was ich da wollte. Und das war, nachdem ich angefangen hatte, mich damit zu befassen.

Wer das nciht hat und vielleicht auch nicht will, kann mit der Anekdote vielleicht was anfangen, mit der ADHS-Note dazu aber nichts. Das muss nicht mal was Schlechtes sein. Ehrlich gesagt, fänd ich’s andersrum sogar nerviger - wenn ich irgendwas erzähle und die Leute tun’s als “noch so ein ADHS-Ding” ab. Man muss halt irgendwie differenzieren lernen, wann die Leute mit dem Thema überfordert sind. Das braucht im Zweifel natürlich viel Geduld, gerade bei Menschen, von denen wir wollen, dass sie das nachvollziehen, und Geduld ist ja nicht gerade ein herausragendes ADHS-Merkmal…


#14

Ich habe meiner Familie das mit dem ADHS erklärt und wenn sie Fragen haben beantworte ich sie so gut es geht. Wenn mir was komisches passiert, erzähle ich es so wie vorher auch. Ohne Bezug zu ADHS.Trotzdem reagieren meine Schwestern jedesmal mit den blöden Sprüchen. Eventuell beschäftigt sie das Thema auch selbst so sehr, dass sie immer wieder darauf zutück fallen. Angebracht wärs😁


#15

Wenn sie’s von selber anbringen, nur um es zu verwerfen, ja, das klingt wirklich, als hätten sie ein Problem entweder damit, dieses neue Bild von dir zu akzeptieren oder, wer weiß, machen sie manchmal auch so komische Dinge? :wink:


#16

Halle an alle deutsch-sprechenden ADHSler,

ich lebe seit mehrer Jahren in den Staaten und wurde hier auch mit ADHS diagnostiziert. Aus beruflichen umstaenden muss ich leider fuer ein paar Monate zurueck und wollte daher fragen was eure Erfahrungen sind mit Doktoren und ADHS, besonderst wenn es darum geht eine Verschreibung fur meine Tabletten zubekommen?

Ich habe natuerlich alle relevanten Dokumente aber mache mir Sorgen das es den Medizinern nicht reichen wird. ADHS wird, meiner Erfahrung nach, nicht wirklich anerkannt daheim (Wien/ Oesterreich).

Habt ihr vielleicht irgendwelche Tips wie ich die Sache am besten herangehen kann? Egal von welchem Ort genau.

(Ich weis naemlich nicht wie ich meine Familie aushalte ohne meine Medizin. Anstatt dessen wuerde ich lieber die Zeit mit ihnen geniessen.)


#17

Meine Erfahrung (Schweiz) ist das Medikamente zu erhalten nicht wirklich schwierig ist aber ziemlich teuer. Der Hausarzt kann es verschreiben, es wird aber nur von der Krankenkasse übernommen wenn ich es von einem Psychiater verschrieben ist.

Ich denke ein Arzt müsste dir da weiterhelfen können (falls sie in Österreich solche Medikamente verschreiben dürfen). Sonst ein Psychiater.

Oder du könntest dir auch genügend Medikamente verschreiben lassen für die zeit in Österreich und sie mitnehmen. Überprüfe jedoch ob du einen Begleitbrief mitnehmen musst (ist auf jeden fall bei Simulanten so). Ich war für 6 Wochen in den USA und hatte genügend Medis für die zeit im Gepäck und ein Brief meines Psychiaters dabei der bestätigt das ich diese menge benötige. Speziell Ritalin könnte dich da sonst am Zoll in Schwierigkeiten bringen da es als Amphetamin bekannt ist :confused:


#18

Danke! Das mit dem Begleitbrief is eine super idee. Ich war zwar schon mal in Europe fuer 6 wochen (mit der notwendingen menge an medikamenten) aber wurde nicht aufgehalten. Natuerlich kann das einfach nur Zufall gewesen sein.

Das mit Psychiater und Arzt ist auch ein guter Punkt. Ich habe gar nicht daran gedacht das der Hausarzt es vielleicht gar nicht verschreiben kann (oder es halt nicht gezahlt wird).

Ich habe leider vom US Arzt nur Rezepte fuer die ersten 6 Wochen vom Trip bekommen koennen (Grund: Amerikanische Krankenversicherung). Aber es gibt mir etwas Spielraum damit ich mich nach einem Arzt umschauen kann und mich erkundige was ich Oesterreich machen muss. (Und den Spielraum brauche ich weil ich furchtbar bin wenn ich keine Routine habe.)

Vielen Dank nochmals! Jetzt weiss ich schon ein bisschen mehr was ich heraus finden muss wenn ich in Wien bin. (Familie war leider keine Hilfe, da sie nicht wirklich an ADHD glauben.)


#19

Hi!
Also, dass ADHS in Wien/Österreich nicht anerkannt ist, stimmt so nicht. Es ist zwar nicht sehr bekannt, dass auch Erwachsene ADHS haben können oder dass nur Hyperaktivität ein Symptom ist (es ist halt stigmatisiert wie andere psychischen Krankheiten auch, es wird aber nicht geleugnet), aber es gibt sehr wohl auch Spezialisten auf dem Gebiet. Was die Medikamente betrifft, weiß ich nicht was die Regulierung für die Einführung ist, ich denke aber, dass es auf das Medikament an kommt. Adderall ist zb nicht zugelassen in Ö.

Ein offizieller Brief mit Diagnose ist auf jeden Fall zu empfehlen und solltest du ein Rezept nachfüllen lassen müssen kannst du prinzipiell auch zu einem Allgemeinmediziner gehen, willst du auf Nummer sicher gehen, geh am Besten zu einem Facharzt für Psychatrie, das sollte absolut kein Problem sein.

Wie das mit Versicherung und Zahlungsübernahme und damit verbunden mit der Suchtmittelvignette aussieht kann ich dir nicht sagen.

Ich hoffe, ich konnte dir helfen :slight_smile:


#20

Es tut mir leid dass die Schwierigkeiten mit Medikamenten so großen ist. Ich hoffe dass sind besser als die Zeit zu kommen. Ich bin aus Schweden und hier ist es vielleicht ein bisschen besser.

ADHS = ? Ich möchte gern die volle lesen.

Ah ich bin nicht so gut wie ich möchte in deuch.